Wie kann man die Erinnerung an das von der früheren britischen Königin Elizabeth II. 2004 angesprochene „Leid“ fast genau 80 Jahre nach
Kriegsende für die Nachwelt ‚greifbar‘ machen…? Noch dazu für eine Nachwelt, in der unmittelbare Zeitzeugen zunehmend fehlen…Einen Versuch in diesem schwierigen Unterfangen unternahmen die Klassen neun
und zehn des Oberharz-Gymnasiums Braunlage in einer Projektwoche, die von Dr. Rainer Bendick vom ‚Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge‘ betreut wurde.
Im Zentrum der Arbeit stand die Erstellung einer
Erinnerungstafel für die sog. Ehrengräber des Braunlager Friedhofs, in denen Kriegstote vor allem aus der letzten Kriegsphase begraben liegen. Abgesehen von gefallenen deutschen Soldaten verschiedener Truppenteile
fallen hierunter unter anderem auch sog. ‚Hilfswillige‘, also Menschen aus den besetzten Teilen der Sowjetunion, die in der deutschen Wehrmacht dienten.
Nach einem Kennenlernen und einer Erkundung des
Geschichtsortes ging es an die Arbeit. Während sich eine Gruppe mit den Reservelazaretten Braunlages und zeitgenössischen Karten beschäftigte, untersuchten andere Gruppen die Gräberlisten oder nahmen exemplarisch
einzelne Biographien von Toten in den Blick. Daneben galt es auch, die lokalen Ereignisse durch Berücksichtigung der Komplexe ‚Zwangsarbeit‘, ‚Zweiter Weltkrieg‘ oder ‚Todesmärsche‘ zu kontextualisieren.
Während eines Stadtrundgangs unter fachkundiger Führung von Herrn Jörg Kühnhold vom Heimatmuseum wurden die theoretischen Ergebnisse greifbar. Einige werden die Stadt nun sicherlich mit anderen Augen sehen…
Wer mehr über das Kriegsende in Braunlage erfahren möchte, ist also herzlich dazu eingeladen, sich die Erinnerungstafel ab Ende Mai auf dem Friedhof anzuschauen. Bei den Recherchen kam es zu überraschenden und
schockierenden Ergebnissen…
Ein Besuch lohnt sich!
Ein herzlicher Dank geht an Dr. Bendick vom Volksbund für die umfangreiche Quellenrecherche und die Betreuung der Arbeitsgruppen sowie an
Herrn Kühnhold für die Bereitstellung der Quellen und die interessante Museums- und Stadtführung.
Text und Fotos: Philip Vergas
Quellen: Heimatmuseum Braunlage